Im Wald zirka fünfzig Meter von unserem Hof entfernt liegt das "Hexenbödele", eine kleine Lichtung, in deren Mitte eine einzelne Lärche hoch aufragt. Diese Lärche ist mit einem auffälligen "Hexenbesen" - einer dichten Wucherung von Ästen und Zweigen - versehen und zudem mit einem Kruzifix geschmückt.
Einer Sage nach trafen sich hier nächtlicherweile vor alten Zeiten oft und oft die Hexen der ganzen Umgegend und hielten mit dem Teufel wüste Gelage. Darum war das "Bödele" gemieden, und um viel Geld wären die Leute nicht zu bewegen gewesen, diesen Platz im Walde zur Nachtzeit aufzusuchen.
Nur einmal brüstete sich ein Bursche, dass er sich vor Teufel und Hexen nicht fürchte und deshalb ohne weiteres bereit sei, diesen Platz zu mitternächtlicher Zeit aufzusuchen. Eine Wette war bald abgeschlossen, und der kecke Bursche machte sich auf den Weg zum "Hexenbödele".
Doch er kam nicht mehr zurück, und als man am darauf folgenden Tag ihn suchen ging, fand man ihn tot auf dem Bödele liegen. Die Hexen hatten ihn in den Boden hineingedrückt und gestampft und so getötet. Zum Gedächtnis an diesen auf so elende Weise Umgekommenen und auch zur künftigen Fernhaltung des bösen Hexenspukes vom "Bödele", brachte man an der Lärche auf der Mitte des Platzes das Bild des Gekreuzigten an, der heute noch da hängt.
Laut einer anderen Sage sollen sich die Hexen auf dem "Hexenbödele" gleich wie auf dem Blocksberg zu Spiel und Tanz versammeln und wo es gar wild und sündhaft zugeht mit Schwelgereien aller Art und wobei ein zufällig Dazugekommener meist verloren ist. Ein Heumahder kam einst ziemlich spät abends auf den Hexenboden und sah da vor einem Schupfen eine Menge Paare sich lustig im Reigen drehen und dann festliches Gelage halten. Eingeladen durch Winke und Worte tanzte der Mahder mit und taumelte endlich nach toll durchschwärmten Stunden matt und müde in den Schupfen, wo er sich auf weichem Lager zum Schlafe hinstreckte. Als er aber am Morgen aufwachte, war er braun- und blaugedrückt, im Gesicht noch zerkratzt, und sein weiches Lager war der Kuhmist.
Familie Maria und Martin Pechlaner
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